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Singen, Bach oder Tango - so helfen wohltuende Klänge bei unterschiedlichen Schmerzen 
„Musik verbessert die Lebensqualität und dringt in tiefe Schichten der Persönlichkeit ein“, sagt Biologe und Schmerzforscher Günther Bernatzky. Immer mehr Spitäler verordnen neben Operationen und Medikamenten daher auch Klänge, die Schmerzen lindern sollen. Blutdruck und Puls sinken, die Ängste nehmen ab, die Muskelverspannungen werden weniger.“
So erklärt der Salzburger Schmerzforscher Bernatzky die Wirkung von Musik auf Patienten bei medizinischen Behandlungen. „Natürlich lenken wohltuende Klänge auch ein bisserl ab und entführen in andere Sphären“, sagt er. Schmerzreduktion und Entspannung könne aber nur mit spezieller Musik bewirkt werden. „Stark aktivierende Melodien haben diese Wirkung nicht.“ Welche Musik für Patienten die richtige ist, hänge vom individuellen Geschmack ab. „Der eine liebt Bach, der andere Enya.“ Setzt man Musik im Krankenhaus ein, sei es wichtig, dass die Lautstärke gering sei und das Tempo inner- oder unterhalb der Herzfrequenz liege. Bernatzky ist sich sicher, dass man in Zukunft zur medikamentösen Therapie viel häufiger Musik im Sinne eines ,Musikamentes’ verordnen wird. Patienten könnten sich auch zu Hause eine Dosis „Musik“ verordnen. „Aber nicht im Sinne von Radio einschalten und berieseln lassen, sondern gezielt Musik in sich aufnehmen.“
Tango bei Parkinson
Eine wissenschaftliche Studie bei Parkinson-Patienten hat ergeben, dass Tango und Radetzky-Marsch das Zittern verringern, das so typisch für diese Krankheit ist, die durch einen Dopamin-Mangel im Gehirn ausgelöst wird. „Aber auch die Beweglichkeit der Patienten wurde besser, wenn sie diese Musik hörten“, sagt Bernatzky.
Gesundheitserreger Musik
Primar Josef Macher, Direktor des Diakonissen-Krankenhauses Linz, bezeichnet Musik als „Gesundheitserreger“ und setzt sie seit geraumer Zeit in der Schmerztherapie, aber auch im OP-Bereich, besonders bei Eingriffen mit Regionalanästhesie, ein. „Es ist bekannt, dass Kompositionen von Bach selbst bei der Hirnstrommessung ihre Wirkung zeigen. Diese Musikstücke wirken dämpfend, beruhigend und stabilisierend“, sagt Macher, der seinen Patienten im Operationssaal gern die Kopfhörer aufsetzt.
Insbesondere in der Schmerztherapie werde extrem viel über das vegetative Nervensystem gesteuert. „Ein Patient, der chronische Schmerzen hat – immerhin jeder fünfte Oberösterreicher ist davon betroffen –, muss sich bei der Behandlung auch wohl fühlen. Musik kann dazu viel beitragen, oftmals kann sogar die Tabletten-Dosis verringert werden“, sagt Macher, der noch viel mehr Musik in die Medizin und in die Krankenhäuser bringen möchte.
Vorerst wird im Diakonissenkrankenhaus Linz jeden zweiten Donnerstag von 18.30 bis 19.30 Uhr gesungen. Und zwar unter der Anleitung von Musiktherapeutin Gerda Brock. „Singen vertieft die Atmung, und es kommt daher zu einer besseren Sauerstoffversorgung der Körperorgane und des Gehirns, bis hinein in jede Körperzelle. Regelmäßiges Singen wirkt wie inneres Joggen, es erhöht die Herz-Kreislauf-Fitness“, sagt die Expertin. „Singen kann uns glücklich stimmen und bringt unsere Hormone auf Trab bis hin zu einer Zunahme der Glücksindikatoren Serotonin, Noradrenalin und der Beta-Endorphine. Dabei zeigen sich diese gesundheitsfördernden Effekte umso stärker, je mehr wir aus Freude und Spaß – also wirklich aus ganzem Herzen singen“, sagt Gerda Brock.
Foto: Peter Hebgen, www.pixelio.de |